Wie schreibt man eigentlich
einen Perry-Rhodan-Roman?
10. Juni 2007 @ 14:42 by Alexander Nofftz
Im vorletzten Programmpunkt berichteten Moderator Stefan Friedrich, Christian Montillion und Uwe Anton davon, wie überhaupt ein Roman entsteht.
Die Autoren bekommen immer mehrere Exposées gleichzeitig. Die grobe Handlung wird auf der Autorenkonferenz besprochen und Robert macht dann die Feinarbeit. Die Autoren sollten diese Expos dann lesen und dann schauen, ob sie einen Roman haben und wo dieser liegt. Ist das der Einführungsroman für eine Handlungsebene, schließt er sie ab oder liegt er “in der Mitte”? Dementsprechend sollte man planen.
Nun wird die Arbeit konkret. Wie bekomme ich den Anschluss hin? Wie höre ich am besten auf? Aus welcher Sicht erzähle ich, nehme ich etwa Rhodan oder doch den kleinen Raumsoldaten?
Oft gibt es auch mehrere Handlungebenen. Man muss sich Gedanken machen, wie man die Ebenen gewichtet. Uwe geht da sehr strukturiert vor und plant alle Kapitel im Voraus. In 1999 hat er mal 10 verschiedene Handlungsebenen mit 10 verschiedenen Hauptpersonen gehabt. Also hat er damals 10 Kapitel gemacht und jedes mit einer neuen Hauptperson begonnen.
Uwe meinte, dass das seine persönliche Arbeitsweise ist und er für diese Vorarbeit im Prinzip genau so lange wie für’s Schreiben braucht.
Christian kann dies im Prinzip bestätigen, allerdings schreibt er sich nicht eine Planung, sondern schreibt nach dem Lesen des Exposées direkt los, auch die Teile des Romans, die er selbst einbaut, entstehen dann “spontan”. So eine analytische Vorgehensweise wäre nichts für ihn, da er sich sonst zu eingeschränkt fühlen würde.
Uwe bestätigte noch mal, dass er nicht linear schreibt. Er fängt auch gerne mal mit dem letzten Kapitel an, während bei Christian jeder Cliffhanger auch wirklich ein Cliffhanger ist. Er hat von Leo gehört, dass er nicht weiterschreiben kann, solange er ein Kapitel nicht komplett beendet hat, während Uwe das nicht stört — kommt er irgendwo nicht weiter, schreibt er einfach zunächst mal ein anderes Kapitel.
Stefan fragte, ob das Gerücht stimmt, dass Rhodan-Autoren keine Ahnung von Technik haben. Christian bestätigte das. Er liest die Datenblätter nur soweit, wie er das braucht und schreibt es dann im Prinzip ab. Uwe meinte, er würde oftmals im Forum lesen, dass dort Leute schreiben, er würde die Daten von Rainer Castor einfach abschreiben. “Das kann ich ganz energisch verneinen. Ich schreibe nichts ab — ich kopiere Rainers Texte einfach.”
Christian benutzt einen Windows-PC mit Word, da er “mit allem anderen nicht umgehen kann, also ganz normal”. Uwe bestätigte das.
Uwe musste auch die Perrypedia loben, denn “das spart einige Telefonkosten”, da er nicht immer ständig Rainer anrufen muss.
Stefan fragte, ob es wirklich diese inoffizielle Absprache unter den Autoren gibt, niemals vor den Abgabetermin abzugeben, egal wann man fertig ist. Uwe: “Alleine der Gedanke, man könnte vorher fertig werden, ist so etwas von absurd… Aber nein. Es gibt erst Geld, wenn man abgegeben hat, insofern immer so schnell wie möglich abgeben.”
Sowohl Christian als auch Uwe haben Bekannte, die ihre Manuskripte vor der Abgabe schon einmal Korrektur lesen.
Uwe liest seine eigenen Romane nach der Veröffentlichungen noch einmal, denn “es gibt ja keine besseren Romane als die eigenen”. Christian tut das allerdings nicht. Uwe: “Das ist faszinierend. Ich schlage den dann auf und finde direkt auf der ersten Seite einen Fehler.”
Christian liest sich seine eigenen Romane allerdings noch mal durch, falls er später noch mal in derselben Handlungsebene etwas schreibt. Er ist dann selbst fasziniert, was er da von sich gegeben hat. “Man, das habe ich damals geschrieben… das war ich?!”
Die PR-Autoren bekommen ihre lektorierten Texte noch mal zur Absegnungen, sodass sie Kürzungen und Änderungen kontrollieren können. Uwe meinte, das hätte er sonst nirgends erlebt — außer natürlich bei Hardcovern. Alle Änderungen sind in dieser Fassung dann entsprechend markiert.
Es wurde gefragt, warum es nicht mehr “Neben-Hauptpersonen” gibt, sondern nur noch Haupthandlungsträger oder Figuren gibt, die es nur in einem Roman gibt. Uwe erläuterte, dass damals viel weniger Autoren dabei waren, aber so etwas geht heute leider nicht mehr. Falls die Figur in der Handlung bleiben soll, muss sie ins Exposée und dann arbeiten alle damit.
Die Frage, ob und wie Autoren auf Handlungsebenen verteilt werden, beantwortete Christian so, dass es “teils, teils” ist. Klaus N. Frick wüsste im Prinzip, wo die Vorlieben liegen, aber im Prinzip kann jeder auch alles schreiben. Über die Entscheidung, wie viele Romane jeder bekommt, wussten beide nicht Bescheid.
Humor sollte nach Meinung beider Autoren sehr dezent eingesetzt werden, gerade schon dadurch, dass jeder einen anderen Geschmack von Humor hat, so Christian. Er erklärte auch, dass er als Germanist tatsächlich über Witz-Theorie bescheid wisse.
Christians nächster Roman ist 2403, während Uwe “mal wieder den Abschluss machen darf”, also 2398 und 2399. Danach hält er sich aber zurück, weil er dann am nächsten Heyne-Zyklus Ara-Toxin arbeitet.
Christian hat für seinen schnellsten (Atlan-)Roman vier Tage gebraucht, im Durchschnitt 10, 11 Tage, sein Negativrekord liegt bei 4 Wochen. Uwe braucht mindestens 14 Tage, Negativrekorde hat er eigentlich nicht, da er durch seine Methode, die Expos erst für sich zu entschlüsseln, danach immer sofort loslegen kann

11. Juni 2007 um 09:26
AFAIR ist der nächste Roman von CM die 2402. Es wird ein Doppelroman.